Jugendziele

Der EU-Jugenddialog ist das wichtigste Tool der Jugendbeteiligung in Europa.

Jeweils in einem Zyklus von 1,5 Jahren teilen sich drei Mitgliedsstaaten die Ratspräsidentschaft der EU. In diesen 1,5 Jahren finden drei Jugendkonferenzen statt, bei der junge Menschen und Entscheidungsträger zusammen kommen. Junge Menschen haben hier die Möglichkeit, sich an der Gestaltung der europäischen Jugendpolitik zu beteiligen und in diesem Rahmen sind 2017/2018 die folgenden 11 Jugendziele formuliert worden. Sie spiegeln die Ansichten der Jugendlichen wider und zeigen auf, mit welchen Themen sich junge Menschen beschäftigen.

Die Ziele sollen der Zusammenarbeit in der Jugendpolitik von Nutzen sein und sicherstellen, dass alle jungen Menschen über die notwendigen Ressourcen verfügen, um sich gesellschaftlich zu engagieren und ihre Visionen zu verwirklichen.

Die Ziele können zudem Anreiz und Ideen geben, wenn es um die Jugendprojektarbeit geht, denn, angepasst an die Eu Jugendstrategie 2019-2027, erhalten die Projekte Priorität bei der der Bewilligung von Fördergeldern, die auf eins oder mehrere der folgenden elf Jugendziele Bezug nehmen:

1. Die EU mit der Jugend zusammenbringen (Connecting EU with youth)

Viele junge Menschen haben kein Vertrauen in die EU und beteiligen sich wenig. Daher soll den Jugendlichen die Möglichkeit zu sinnvollem Engagement und zur Partizipation gegeben werden. Dazu gehört, dass Jugendliche einen guten Zugang zu Informationen über die EU haben und im Allgemeinen über europäische Themen aufgeklärt wird.

2. Gleichheit aller Geschlechter (Equality of all genders)

Viele junge Menschen sind von geschlechtsspezifischer Diskriminierung betroffen, sodass es eine Priorität ist, die Chancengleichheit und den Zugang zu Rechten sicherzustellen. Dazu ist es nötig, Diskriminierung zu bekämpfen, Menschen auf die bestehende Ungleichheit aufgrund von Geschlechtern aufmerksam zu machen und stereotype Geschlechterrollen, z. B. im Familienleben und am Arbeitsplatz, zu beseitigen

3. Inklusive Gesellschaften (Inclusive societies)

Ein Drittel der jungen Menschen in Europa ist von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Daher ist es wichtig, junge Menschen und besonders marginalisierte, über die ihnen zur Verfügung stehenden Räume und Möglichkeiten zu informieren. Ihnen muss der gleiche Zugang zu formalen und nicht formalen Lernumgebungen gegeben werden und die soziale Unterstützung soll gestärkt werden. Auch die Fähigkeiten von Pädagogen in inklusiven Bereichen sollen gefördert werden. Außerdem gilt es, den Dialog und den sozialen Zusammenhalt zu fördern und alle jungen Menschen an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

4. Information & konstruktiver Dialog (Information & constructive dialogue)

Junge Menschen haben Schwierigkeiten, die Richtigkeit und Zuverlässigkeit von Informationen zu überprüfen, sodass es wichtig ist, einerseits verständliche jugendfreundliche Informationen zugänglich zu machen und andererseits auch die kritische und verantwortungsvolle Nutzung der Medienlandschaft zu fördern. Junge Menschen sollen in der Lage sein, irreführende Nachrichten und Hassreden oder Diskriminierungen zu erkennen und zu melden. Dialoge sind online und offline respektvoll, tolerant und gewaltfrei zu führen. Eltern und Betreuer sollten über Medien- und Digitalkompetenz verfügen.

5. Psychische Gesundheit & Wohlbefinden (Mental health & wellbeing)

Viele junge Menschen beschreiben, dass sie heute einem enormen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt sind und es daher notwendig ist, eine bessere psychische Gesundheitsversorgung einzurichten. Dies bedeutet zum einen, junge Menschen in der Entwicklung von Selbstbewusstsein zu fördern und ihnen zum anderen Wertschätzung für individuelle Fähigkeiten und Stärken entgegenzubringen. Dazu ist es vor allem notwendig, dass Fachleute, die mit jungen Menschen arbeiten, an einem Erste-Hilfe-Training für die psychische Gesundheit teilnehmen und der Fokus auf Präventionsmaßnahmen gelegt wird.

6. Jugend im ländlichen Raum voranbringen (Moving rural youth forward)

Noch immer bestehen Unterschiede zwischen dem Leben in städtischen und ländlichen Gebieten. Daher ist es wichtig, die Infrastruktur in ländlichen Gebieten zu verbessern und die Bereitstellung öffentlicher Dienste, Wohnmöglichkeiten und nachhaltiger Arbeitsplätze zu gewährleisten. Auch in ländlichen Gebieten sollten junge Menschen aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt werden und Zugang zu hochwertiger Bildung und verschiedenen Aktivitäten haben.

7. Gute Arbeit für alle (Quality employment for all)

Jugendliche sind zum Teil von hoher Jugendarbeitslosigkeit und schlechten Arbeitsbedingungen sowie Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffen. Dies hindert sie daran, vollständig in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Es ist daher nötig, sich dafür einzusetzen, dass gute Arbeitsplätze und faire Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Hierzu gehört auch die Förderung der Chancengleichheit. Ein weiterer Fokus sollte auf die Anerkennung von Kompetenzen gerichtet werden – auch jene, die z. B. durch freiwilliges Engagement oder nicht formale Bildung erworben wurden.

8. Gutes Lernen (Quality learning)

Bildung ist ein Schlüssel für die aktive Bürgerschaft und die integrative Gesellschaft, sodass der Zugang zu hochwertiger Bildung und lebenslangem Lernen für alle jungen Menschen gewährleistet sein muss. Es sollte sich auf schülerzentriertes Lernen und die nicht formale Bildung konzentriert werden, um diesen Zugang gleichberechtigt zu gestalten. Aufgeschlossenheit soll gefördert und die Entwicklung von zwischenmenschlichen und interkulturellen Kompetenzen unterstützt werden. Junge Menschen sollten auch mit Lebenskompetenzen wie Geldmanagement und Gesundheitserziehung ausgestattet werden.

9. Räume und Beteiligung für alle (Space and participation for all)

In vielen Entscheidungsprozessen, die junge Menschen betreffen, sind sie noch unterrepräsentiert, sodass dem entgegengewirkt werden soll. Dafür sollten jugendfreundliche und zugängliche Strukturen geschaffen werden, damit junge Menschen sich in allen Bereichen der Gesellschaft und in Entscheidungsprozessen einbringen können. Dies soll für alle jungen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund gewährleistet werden, denn es unterstützt ihre persönliche, kulturelle und politische Entwicklung. Dies kann auch durch die Bereitstallung von offenen, sicheren und autonomischen Jugendräumen gefördert werden, die allen zugänglich und professionell unterstützt sind.

10. Ein nachhaltiges, grünes Europa (Sustainable Green Europe)

Heutzutage konsumieren wir auf eine Weise, die unsere Umwelt nicht bewältigen kann und die Gesellschaft muss gegen den Klimawandel vorgehen. Menschen müssen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und anerkennen, dass dieses Auswirkungen auf das zukünftige Leben hat. Nachhaltiges Handeln ist gefragt und die Beseitigung von umweltschädlichen Produktionen. Junge Menschen, die sich im Umweltbereich engagieren, sollen gestärkt werden. Auch der Zugang zu umweltfreundlicher Infrastruktur ist sicherzustellen.

11. Jugendorganisationen und europäische Jugendprogramme (Youth organisations & European programmes)

Obwohl Jugendorganisationen und die europäischen Jugendprogramme zahlreiche junge Menschen unterstützen, sind sie häufig unterfinanziert, weder anerkannt noch gut zugänglich. Es ist daher ein wichtiges Anliegen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ausreichend Mittel für die Durchführung von Projekten und die Erfüllung ihrer Aufgaben bereitzustellen. Es ist außerdem hilfreich, sie besser mit dem Bildungssystem zu verbinden und sie als Akteure anzuerkennen, die Lebenskompetenzen und eine aktive Bürgerschaft fördern.

Weitere Informationen zu den Jugendzielen gibt es unter folgendem Link: http://www.youthgoals.eu/