Fachkräftebegegnung der Jugendarbeit in Tecklenburg

Treffen von Jugendarbeitern in Tecklenburg

Am 27. und 28. November fuhren 11 Jugendarbeiter aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft morgens früh erwartungsvoll 266 Kilometer, um an einer Fachkräftebegegnung in Tecklenburg im Kreis Steinfurt/ Deutschland teilzunehmen. In ihrem Gepäck befanden sich Informationen zur eigenen Arbeit und in ihren Köpfen einige spezifische Fragen zur Jugendarbeit im ländlichen Raum. Denn Rahmenbedingungen und Herausforderungen für Jugendarbeit im ländlichen Raum ist die gemeinsame Basis der Offenen und Mobilen Jugendarbeit in Tecklenburg und in Ostbelgien. Während die Fachliteratur sich oftmals auf Jugendarbeit im urbanen Umfeld fokussiert, gab es hier die Gelegenheit, theoretische Grundsätze und praktische Umsetzungsmöglichkeiten zu diskutieren.
Direkt bei der Vorstellung der Strukturen und Qualitätsmerkmale durch Ralf Bornstedt von der Mediencooperative und Ludger Vorndieck vom Jugendamt Steinfurt konnten die Jugendarbeiter etliche Parallelen ziehen. Genau wie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft arbeiten die Jugendarbeiter mit Konzepten, die auf Daten der Kommunen, Bedarfe der Jugendlichen und Selbstreflexion der Arbeit basieren. Qualität wird gleichermaßen in beiden Ländern im Beteiligungsprozess erzielt.
Sehr schnell wurde den Jugendarbeitern klar: „Wir sprechen die gleiche Sprache!“. Das bestätigte sich nachmittags bei den Besuchen in verschiedenen Jugendzentren in Ladbergen, Westerkappeln und Wersen. Offene und mobile Jugendarbeit steht in beiden Regionen vor den gleichen Herausforderungen. Die Betreuung mehrerer Treffs, die Fluktuation in den Besucherzahlen, der Einsatz von Ehrenamtlichen und das Bild der Jugendarbeit in der Öffentlichkeit waren nur einige Themen, zu denen es einen regen Austausch gab. Besonders interessiert waren die deutschen Jugendarbeiter, wie die Belgier ihre Arbeit im Kontext der Ganztagsschule zufriedenstellend leisten können. Dass Jugendarbeiter in Belgien oftmals bis 23 oder 24 Uhr arbeiten, erstaunte sie doch sehr. Die belgischen Jugendarbeiter hingegen wunderten sich eher über die Vereinbarkeit von Kinder- und Jugendarbeit.
Der Gesprächsstoff ging auch abends beim Grillen nicht aus, sodass die Jugendarbeiter am nächsten Tag bestimmte Problematiken auswählten, denen sich in Untergruppen widmeten. In allen Gruppen wurde verglichen, wie die jeweilige Herausforderung im eigenen Land aussieht und wie damit umgegangen wird. Außerdem wurden Lösungswege herauskristallisiert. Die ostbelgischen Jugendarbeiter konnten über einen reichen Erfahrungsschatz im Ehrenamtsmanagement berichten. Die Steinfurter Jugendarbeiter zeichneten sich durch ihre Erfahrung im Medieneinsatz aus. Dass Jugendarbeiter in beiden Ländern noch intensiver um die soziale Anerkennung ihres Berufes kämpfen müssen, darüber waren sich die Teilnehmer in der Untergruppe zur Fluktuation der Besucherzahlen sehr schnell einig. Interessante Ansätze gab es auch zur Problematik, wie man Struktur und Flexibilität in der alltäglichen Arbeit verbinden kann. Abschließend kann behauptet werden, dass alle Teilnehmer der Fachkräftebegegnung mit Denkanstößen und Anregungen nach Hause gefahren sind. Die eine oder andere Idee wird sicherlich sofort im heimatlichen Jugendtreff umgesetzt werden. Und das eigene Feuer, welches jeder Jugendarbeiter braucht, um Jugendliche mitzureißen, loderte nach den zwei Tagen hell auf.
Da ist es nur natürlich, dass die deutsch-belgische Partnerschaft fortgesetzt wird. Im nächsten Jahr werden die Steinfurter Jugendarbeiter nach Belgien kommen, um die verschiedenen Thematiken zu vertiefen.

Das Projekt wurde unterstützt vom Jugenddienst der Provinz Lüttich.
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