Einsteigertraining Jugendbegegnung+

Weiterbildung vom 5. bis zum 8. November in Eupen mit Teilnehmern aus der DG, Luxemburg, Liechtenstein, der Schweiz, Deutschland und Österreich.

„Ihr müsst für euer Thema brennen!“: Wie gestalte ich Jugendbegegnungen in Erasmus+?

Einsteigertraining 022

Hilfe bei der Planung von Jugendbegegnungen. Die gab es auf dem Training „Jugendbegegnungen+“ im belgischen Eupen. Eingeladen hatten die deutschsprachigen Agenturen für Erasmus+ JUGEND IN AKTION. Was also sind die Zutaten für einen erfolgreichen Projektantrag?

Rune Meissel hatte ihre Teilnahme an dem Training nicht bereut. Seit knapp einem Jahr arbeitet die 30-jährige Berlinerin als Koordinatorin eines Schul- und Jugendaustauschprogramms zwischen Bosnien-Herzegowina und der EU für die Stiftung „Schüler Helfen Leben“. Internationale Jugendbegegnungen spielen eine große Rolle für die Stiftung. Nur Anträge über Erasmus+ stellen, das konnte sich Rune Meissel bislang nicht vorstellen.

Bis jetzt: „Das Einsteigertraining hat mir einen guten inhaltlichen und methodischen Input gegeben. Was die Ausgestaltung und didaktische Begleitung von Jugendbegegnungen betrifft, fühle ich mich jedenfalls viel besser aufgestellt.“

Theorie und Praxis

Für vier Tage waren 26 Teilnehmer aus Deutschland, Luxemburg, Österreich, der Schweiz und der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens nach Eupen gereist. Sie alle einte vor allem eine Frage: Wie schaffe ich es, eine gute Jugendbegegnung auf die Beine zu stellen und erfolgreich Fördergelder für das Projekt unter Erasmus+ zu beantragen?

Um es vorweg zu sagen: DIE goldene Regel gab es am Ende nicht. Dem Trainer-Team um Michael Kimmig (Poznan/Polen) und Barbara Sieberth (Salzburg/Österreich) gelang aber der vielleicht noch entscheidendere Schritt. Beide vermittelten und verpackten das für eine Jugendbegegnung nötige Wissen und Handwerkszeug in einer solchen Vielzahl von Methoden und mit so großer Leidenschaft, dass die Teilnehmer für ihre künftigen Anträge sicherlich viele Kreativitäts-Bausteine mit nach Hause nehmen werden.

„Thema einer Jugendbegegnung sollte das sein, worauf man als Antragsteller auch wirklich brennt!, betonte Kimmig immer wieder. „Welche Kraft haben neue Ideen? Über den Tellerrand schauen, ungewöhnliche Wege gehen, darum geht es. Ich nenne das ‚thinking out of the box‘.“

Neben einem klar umrissenen Thema und einem prägnanten Titel sei es vor allem wichtig, Projekt- und Lernziele einer internationalen Begegnung differenziert zu benennen. Helfen könne dabei der so genannte Kompetenzrahmen. Der thematisiert Schlüsselkompetenzen wie „Muttersprachliche Kompetenz“, „Fremdsprachliche Kompetenz“, „Soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz“ oder „Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz“.

„Ich kann allen Antragstellern nur raten, bei ihren Anträgen an die eine oder andere Schlüsselkompetenz anzudocken“, so Kimmig.

Partizipation leben

Interkulturelle und europäische Dimensionen aufzeigen, die Bedeutung nicht formalen Lernens für eine Jugendbegegnung hervorheben, darum ging es bei der Schulung ebenso wie um aktive Partizipation. „Ob Planung, Durchführung oder Nachbereitung der Maßnahme – die Jugendlichen sollten nach Möglichkeit überall mitgestalten können“, erklärte Sieberth.

Dass Partizipation oft einleuchtend klingt, in der Praxis aber bisweilen schwer umzusetzen ist, erfuhren die Teilnehmer am eigenen Leib. Aus mehr als 30 einzelnen Worten sollten 13 Teilnehmer drei vollständige und sinnvolle Sätze bilden. Eine Übung, die zwar gelang, für die alle am Ende aber auch eine ähnlich passende Beschreibung parat hatten: Partizipation lohnt sich, kann aber auch anstrengend sein.

Großer Fragebedarf

„Gesellschaftliche Denkanstöße zur eigenen Lebensweise“, „Partizipation leben – mit Jugendlichen mit geringeren Chancen“, „Raus in die Natur, weg vom Smartphone“ – diese und auch ganz andere Ideen von Teilnehmern standen am Anfang eines Prozesses, an dessen Ende einer Jugendbegegnung ein festes Gerüst gegeben werden sollte – mit präzisem Finanz- und Aktivitätenplan, Partnern und einer klaren Orts- und Zeitstruktur.

Die Bedingungen für eine internationale Jugendbegegnung sind in der Leitaktion 1 klar umrissen: Jugendliche zwischen 13 und 30 Jahren, eine Gruppengröße von mindestens 16 und maximal 60 Teilnehmern sowie eine Begegnungsdauer von fünf bis maximalen 21 Programmtagen.

Trotzdem, das zeigte sich auch bei dieser Schulung, war der Fragebedarf abseits der klassischen W-Fragen immens. Wie können mitfahrende Betreuer und Begleitpersonen finanziert werden? Was ist der Unterschied zwischen einer Jugendinitiative und einem Jugendaustausch? Wie können unterschiedliche Projektideen in einem Antrag zu einem Gesamtprojekt verbunden werden?

Viele Fragen für einen begrenzten Zeitraum.

Komplex, aber machbar

Auch Rune Meissel hätte sich noch mehr Feedback-Zeit für die individuellen Projektvorhaben gewünscht. Trotzdem habe die Schulung ihren Zweck erfüllt. „Vor dem Training kannte ich mich gar nicht mit Erasmus+ aus. Jetzt empfinde ich es zwar immer noch als komplex und zweitaufwendig, Anträge über das neue Programm einzureichen. Machbar ist es aber allemal.“

Und auch für eine Nachfolgeschulung hätte die Berlinerin schon eine Idee: „Anträge schreiben. Ich würde gerne noch mehr Hilfestellung für Formulierungen bekommen. Und auch bei der Prioritätensetzung könnte ich zusätzliche Unterstützung gebrauchen.“

Wann sie ihre erste Jugendbegegnung unter Erasmus+ einreicht, steht noch nicht fest. Dass es aber passieren wird, steht für sie außer Frage.

(Marco Heuer für JUGEND für Europa)

Das Training „Jugendbegegnungen+“ war eine Kooperation der Nationalen Agenturen für Erasmus+ JUGEND IN AKTION aus Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft), Luxemburg, Liechtenstein, der Schweiz, Deutschland und Österreich.

Weitere Informationen

Alle Informationen und Dokumente, die Sie für eine Antragstellung benötigen, finden Sie HIER.

Informationen zum Status der Schweiz in Erasmus+

Die Schweiz hat derzeit im Rahmen von Erasmus+ nur den Status eines Partnerlandes. Informationen, wie sich Organisationen aus der Schweiz am Programm beteiligen können, gibt die schweizerische Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit.