Stricken kann hier jeder! – Ein EFD in Norwegen

EFD in Trondheim (Norwegen), Till, 21 Jahre

„Stricken kann hier jeder, ob Jungs oder Mädels!“

Gruppe EVSler

Till hatte Glück im Unglück: seine Aufnahme an der Militärschule war nicht gewährleistet worden, aber kurzfristig konnte ein Europäischer Freiwilliger, kurz EFDler, wegen eines Sportunfalls seinen Dienst nicht antreten. So kam es, dass Till innerhalb von 10 Tagen sämtliche Papiere in Ordnung brachte, seinen Koffer packte und für 8 Monate nach Trondheim in die Peter-Morset-Volkshochschule flog.
Die Peter-Morset-Volkshochschule ist eine Hochschule, die 40 junge Menschen mit leichter bis mittlerer Behinderung aufnimmt (Autismus, Down-Syndrom, ADHS,…) und 25 junge Menschen ohne Behinderung. Alle Schüler haben nur praktische Unterrichte, die sie unterstützen sich selbständig in der Gesellschaft zurecht zu finden.
Zusammen mit 4 EFDlerinnen aus Spanien, Frankreich, Deutschland und Österreich ist es Tills Aufgabe, die Lehrer zu assistieren und die Schüler in ihren Unterrichten zu begleiten. Was natürlich auch bedeutet, dass die Europäischen Freiwilligen das können müssen, was die Schüler lernen, nämlich: Stricken, Kochen, Schnitzen, künstlerisches Gestalten, Umgang mit Multimedias und einiges mehr.

„Stricken kann hier jeder, ob Jungs oder Mädels!“, weiß Till zu berichten, „überall sieht man ältere, aber auch jüngere Menschen ihre Stricknadeln herauskramen, um Schals oder Socken zu stricken.“

Einen Großteil ihrer Zeit verbringen die Schüler mit sportlichen Aktivitäten. Schlittschuh fahren, Langlaufschi, Kanu fahren, Schwimmen und Jagen gehören somit zum Alltag der EFDler. Das Highlight für alle war jedoch der Ausflug mit den Schlittenhunden. Mit 5-10 km/h glitten die Schlitten über die verschneite Landschaft. „Das erste, was wir gelernt haben, war das Bremsen, denn wenn wir den Schlitten nicht anhalten würden, würden die Hunde endlos weiterlaufen“. Ein Erlebnis von Freiheit und Naturverbundenheit, welches keiner der EFDler je vergessen wird.
Neben der täglichen Begleitung sollen die EFDler auch ein eignes Projekt mit den Schülern durchführen. Für Till stand sofort fest, dass er sein Hobby dazu nutzen kann: er hat ein Krafttraining angeboten. Die EFdlerin aus Deutschland hat den Schülern deutsche Kultur nähergebracht und mit ihnen Martinslaternen gebastelt und Weckmänner gebacken. Die Österreicherin hat ein Musikprojekt gestartet: Singen und Rhythmusübungen mit Bechern. Die Französin kocht regelmäßig mit den Schülern und die Spanierin erteilt einen Spanischkurs.

EishockeyInnerhalb seines Freiwilligendienstes ist Till mit der Schule auch mehrmals verreist. Er begleitete die Schüler nach Italien und zu den kanarischen Inseln. In den Osterferien war er auf den Lofoten und hat sogar das Nordlicht gesehen. Seine Reiselust ist auf jeden Fall geweckt worden. In den Weihnachtsferien ist er kurzerhand durch England getrampt, weil seine Freunde in Belgien ja sowieso für ihre Prüfungen lernen mussten und keine Zeit hatten sich mit ihm zu treffen.


Selbstorganisation, Verantwortung – man lernt viel über sich selbst!

„Mich selber zu organisieren, Dinge in die Hand nehmen, Verantwortung für andere übernehmen, gehören zu den wichtigsten Dingen, die ich gelernt habe“, erklärt Till, „es wurde zum Beispiel ein Seminar für 200 Personen in der Peter-Morset-Volkshochschule organisiert und ich war verantwortlich dafür, dass die Schüler die Teilnehmer begrüßten und während der Pausen bedienten. Das hat ganz gut geklappt. Und ich konnte sogar einer norwegischen Ministerin die Hand schütteln.“
Eins ist klar: Till hat sich, laut seiner Familie, sehr verändert. Er ist selbstbewusster, spontaner, selbständiger und organisierter geworden. Außerdem weiß er jetzt ganz genau, was er studieren will. Und zu guter Letzt ist er seit seinem EFD zum Familienfotograf erkoren worden, weil er in Norwegen von Kursleitern gelernt hat, ausdrucksvolle Fotos zu schießen und Videos zu drehen und zu schneiden.
Sein ultimativer Tipp an alle, die mit dem Gedanken spielen einen Europäischen Freiwilligendienst anzutreten:

„Schmeißt Euch ins kalte Wasser. Lasst Euch auf das neue Abenteuer und die Kultur des Landes ein! Wenn Ihr Euch offen und motiviert zeigt, werdet Ihr mit offenen Armen aufgenommen.“
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