Heidi schloss Freundschaften für´s Leben während ihres EFDs in England

Heidi – „eine wahnsinnige Chance“ oder „Freundschaften fürs Leben“

Heidi gehört zu den europäischen Freiwilligen der ersten Stunde. Vor genau zwanzig Jahren beschloss sie, die Koffer zu packen und sich im Ausland über ihren weiteren Lebensweg klar zu werden: „Nach dem Abi wollte ich mir Zeit lassen und trotzdem von der Auszeit profitieren. Der Freiwilligendienst war eine wahnsinnige Chance: Man bekommt Taschengeld und kann dabei noch seine Sprachenkompetenz verbessern.“
Heidi hat in Wolverhampton bei Birmingham in einem sozialen Projekt gearbeitet, das inklusives Wohnen von Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Krankheit fördert. Sie hat die Menschen in ihrem Alltag begleitet und Gruppen, z.B. Koch- und Theaterklassen, geleitet.

Den großen Gestaltungsspielraum ihrer Arbeit hat sie genutzt, um eigene Gruppen zu initiieren

So hat sie eine FrauengJUGEND_iconruppe gegründet, in der wöchentlich spezifische Themen besprochen wurden. Dort wurde irgendwann der Wunsch geäußert, eine Chippendales Darbietung zu besuchen. Den Ausflug der Damen – mit pinkem Lippenstift und Leopardenleggings – wird sie wohl nie vergessen.
Das Programm, für das Heidi gearbeitet hat, hieß „Skills for Life“, weil es Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Krankheit ermöglicht, in ganz normalen Verhältnissen zu wohnen, statt in Familien und spezialisierten Einrichtungen.

„Lebenskompetenzen“ könnte auch das Motto von Heidis Freiwilligendienst lauten

„Ich habe in dem Jahr wirklich fürs Leben gelernt. Alles, was ich aus dem Jahr mitgenommen habe, kann ich heute noch brauchen und kommt mir auch in meiner beruflichen Tätigkeit bei der föderalen Polizei zugute: meine Englischkenntnisse, meine Selbständigkeit und meine interkulturelle Kommunikationskompetenz.“ Der Freiwilligendienst eigne sich außerdem hervorragend dazu, Berührungsängste abzubauen, aus sich herauszugehen und Eigeninitiative zu entwickeln. Er biete einem die einmalige Gelegenheit, sich komplett infrage zu stellen und neu zu erfinden. Man kann seine Vorgeschichte hinter sich lassen und im Ausland, wo man zunächst anonym ist, von vorne anfangen. Aus der Erfahrung, dass man sich ein neues Umfeld aufbauen und in einer fremden Arbeitswelt funktionieren kann, gehe man gestärkt hervor: „Das ist gut fürs Selbstbewusstsein.“

Freundschaften für´s Leben

In England hat Heidi ihre erste große Liebe kennengelernt, von der sie sich am Ende ihres Freiwilligendienstes schweren Herzens trennen musste. Zu ihren schönsten Erinnerungen gehört auch das Einführungstreffen mit den anderen jungen Menschen, die wie sie in England ein freiwilliges Jahr begonnen hatten: „Da sind Freundschaften fürs Leben entstanden“. Im Laufe des Jahres haben die Freiwilligen sich gegenseitig besucht. Außerdem hat sie zusammen mit Freunden aus der Heimat das Land bereist: „Wir haben Geld fürs Benzin gesammelt, die Karte ausgebreitet und sind losgefahren, meist haben wir Ausschau nach Schlössern gehalten.“ Zu anderen Freiwilligen, ihrer Chefin und zu einer Sozialarbeiterin aus dem Team hat sie bis heute Kontakt. An die Zeit in England denkt sie gern zurück:

„Es war eine sehr angenehme und schöne Erfahrung. Man lernt, sich zu öffnen und sich auf Neues einzulassen, statt willenlos zu verharren. Deshalb kann ich nur jedem, der noch auf einen Studienplatz wartet, raten, statt eines Ferienjobs einen Freiwilligendienst anzutreten. Das ist wirklich gut investierte Zeit.“

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