Jugendaustausch „Bina Mira – Jugend für Europa“

Zrenjanin, die sechstgrößte Stadt Serbiens, war in diesem Jahr Gastgeber des Theaterfestivals
„Bina Mira – Jugend für Europa“. Auch eine Gruppe aus Ostbelgien nahm, unter der Leitung von
Elfriede Belleflamme, an dieser internationalen Jugendbegegnung teil.

Grenzecho Artikel Bina Mira vom 27.08.2016

Am 14. September, erreichte die Ostbelgische Gruppe nach 22 langen Stunden im Bus Zrenjanin, eine Stadt im Norden Serbiens. Alle waren sehr erschöpft, freuten sich jedoch, dass die diesjährige Edition des „Bina Mira“ Festivals endlich beginnen konnte. „Bina Mira“ (auf Deutsch: Bühne des Friedens) wurde im Jahr 2008 von Heinz Jussen und Eckhard Debour ins Leben gerufen. Jussen, der Gründer des Aachener Netzwerks für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit, hatte ein Jahr zuvor die Studentenkämpfe im bosnischen Tuzla miterlebt und war geschockt angesichts von der Gewalt, mit der die Jugendlichen dort aufeinander losgingen.
Gemeinsam mit Eckhard Debour, dem Leiter der Theatergruppe der Mies-Van-Der-Rohe-Schule in Aachen, „Rohestheater“, entschied Jussen ein Festival zu organisieren. Seitdem wird Bina Mira jährlich in einer anderen europäischen Stadt organisiert, immer um den Weltfriedenstag am 21. September.
In 2016 nahmen an der Jugendbegegnung insgesamt zehn Gruppen aus Belgien, Deutschland (darunter einige Schüler der Aachener Kleebachschule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen), Bosnien-Herzegowina, Slowenien und Serbien teil. Eigentlich wäre auch noch eine Gruppe aus der Türkei da gewesen, doch ihr wurden kurzfristig die Reisepässe entzogen und die Ausreise verweigert. Untergebracht waren die Jugendlichen und ihre Betreuer in verschiedenen Appartements und Jugendherbergen. Jede Gruppe hatte vorab ein eigenes Theaterstück einstudiert, das jeweils abends entweder im Nationalen Theater oder im Kulturzentrum der Stadt aufgeführt wurde. Tagsüber wurden Workshops angeboten. Zu Beginn des Festivals konnten die Jugendlichen zwischen den Workshops Musik, Fotografie, Tanz, Schattentheater und Vorbereitung auf ein Theaterstück auswählen, und folgten diesem Workshop die ganze Woche lang. Am Ende der Woche präsentierte jeder Workshop dann seine Arbeit.

Lola und Clarissa im Gespräch mit der Sozialpädagogin Van Linden

Das Theaterstück der Ostbelgischen Gruppe hieß „Liebe – Nur ein Wort“ und handelte von Jugendlichen, die scheinbar friedlich in einem Jugendtreff leben. Es kristallisieren sich zwei Gruppen heraus und schnell wird klar, dass es sich dabei um Christen und Muslime handelt. Besonders thematisiert wurde der Begriff des Ehrenmordes. „Auch, wenn uns viele anschließend zu dem Stück gratulierten, so ist es bei anderen überhaupt nicht gut angekommen. Dieses Thema ist wohl noch eine ziemlich offene Wunde und uns war nicht bewusst, wie tief sie tatsächlich sitzt“, so Elfriede Bellflamme. Aber nicht nur die interkulturelle Erfahrung durch die Begegnung mit jungen Menschen aus unterschiedlichen Ländern nahmen die Ostbelgier mit. Sie sahen auch den krassen Gegensatz zwischen Arme und Reich. Zrenjanin liegt 75 km nördlich der Hauptstadt Belgrad. Während der Busfahrt kam die Gruppe an unzähligen Maisfeldern und heruntergekommenen Häusern vorbei. Direkt neben den kleinen Hütten stehen die riesigen Protzhäuser der Reichen, inklusive Tennisplatz und Swimmingpool, befanden.

Eine weitere Herausforderung für die Gruppen und deren Betreuer war das latente Trinkwasserproblem in Zrenjanin. Selbst die Einwohner rieten den Teilnehmern ab, es zu trinken. So musste täglich genügend Wasser eingekauft werden. Was die Gruppe allerdings am meisten geschockt hat, war die unfassbare Müllverschwendung. So wurde jede Kleinigkeit in separaten Schachteln und Plastiktüten verpackt.
Diese Jugendbegegnung war für alle Teilnehmer ein prägendes Ereignis, bei dem sie viele neue Dinge lernen und erfahren konnten. Kompetenzen im Bereich Theater wurden weiter ausgebaut und neue hinzugewonnen. Das interkulturelle Beisammensein erweiterte ihren Horizont. Im Jahr 2017 ist geplant, diese Jugendbegegnung in Ostbelgien durchzuführen, um das Friedenstheater weiterleben zu lassen.