Interview mit Jasmin Bemmelen, Koordinatorin der Aufgabenschule im Animationszentrum Ephata

Jasmin Bemmelen, Koordinatorin der Aufgabenschule im Animationszentrum Ephata

– Wie ist die Organisationsstruktur Jasmin Bemmelen klder Aufgabenschule und was ist dein Tätigkeitsfeld?

Ich bin die Koordinatorin der Aufgabenschule. Das beinhaltet die Organisation des Angebots für zurzeit 146 Schüler, davon sind ca. 100 Primarschüler und 50 Sekundarschüler. Dazu kommen pro Jahr zwischen 30 und 40 ehrenamtliche Betreuer. Das sind pensionierte Menschen, Sekundarschüler über 16, die gut in der Schule sind und sich ehrenamtlich engagieren möchten, Berufstätige und Studenten, die in ihrer Freizeit zu uns kommen sowie Praktikanten. Dieses Jahr ist auch erstmalig eine Person aus dem europäischen Freiwilligendienst dabei und hilft aus. Das muss organisiert sein, damit wir jeden Tag das Angebot konstant gewährleistet können. Ich stehe auch in engem Kontakt mit den Schulen in der DG, um das Angebot mit dem regulären Unterricht zu harmonisieren und um die Plätze je nach Bedarf zu belegen – es gibt aktuell leider eine Warteliste von 35 Kindern. Mit den Schulen, Kindern und Eltern wird außerdem geschaut, wie viele Stunden Betreuung für die Kinder notwendig bzw. ideal wären.

Die Hausaufgabenbetreuung wird jeden Tag von 16 Uhr bis 19 Uhr angeboten, wobei die Zeit von 18 Uhr bis 19 Uhr Sekundarschülern vorbehalten ist. Die Sekundarschüler organisieren sich überwiegend selbst. Die Primarschüler kommen von 16 Uhr bis 18 Uhr. Zwischen 15.30 Uhr und 16 Uhr ist Empfangszeit. Mit den Kindern und den Eltern wird gemeinsam ausgemacht, zu welchem Zeitpunkt, d. h. an welchem Wochentag und zu welcher Uhrzeit, die Betreuung stattfindet. Das ist besonders wichtig für die Organisation, weil so viele Kinder das Angebot wahrnehmen, aber auch, um die Gruppen zu bilden und zu schauen, wie diese sich am besten zusammensetzen (je nach Alter, Kenntnisstand usw.).

-Welche besonderen Herausforderungen entstehen dabei?

Eine Herausforderung ist sicherlich die Organisation der vielen Betreuer und Kinder. Desto umfangreicher die Aufgabenschule auf allen Ebenen wird, desto schwieriger ist es, die Basis und die Struktur unserer Arbeit durchzusetzen und umzusetzen. Es gibt Regeln, die beachtet werden müssen, der einheitliche Rahmen und die Abläufe müssen gewährleistet sein. Das ist aber eine Herausforderung, mit der wir aktuell sehr gut umgehen können.

-Welche Erfolge sind für dich besonders wichtig gewesen? Gibt es Aspekte, die dir besonders Freude bereiten?

Es ist eine sehr dankbare Stelle, man erfährt viel Positives und auch die Betreuer bekommen viel positives Feedback. Wir merken, dass die Kinder sehr gerne zu uns kommen und sich wohl fühlen. Das bereitet uns besonders Freude. Wir merken auch, dass wir durch die Beziehungsebene und durch das Vertrauensverhältnis mit den Kindern sehr viel erreichen können. Schlussendlich bereitet beim Umgang mit den Kindern auch die Wertevermittlung Freude.

-Die Aufgabenschule leistet u. a. einen erheblichen Beitrag für Inklusion in der DG. Wie würdest du darüber hinaus in einigen Sätzen die Zielsetzung und den pädagogischen Auftrag der Aufgabenschule beschreiben?

Die Pädagogischen Ziele sind der schulische Erfolg, das Erlernen der Landessprachen Deutsch und Französisch sowie die Integration in die (inter-)kulturelle lokale Gemeinschaft. 90 % bis 95 % der Schüler haben einen Migrationshintergrund, d. h. die Eltern sind zugezogen, die Kinder sind jedoch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft aufgewachsen. Obschon viele Kinder daher gut Deutsch und/oder Französisch sprechen, kann das bedeuten, dass ihnen für schulische Angelegenheiten manchmal schlicht eine Unterstützung fehlt, ohne dass notwendigerweise ein Defizit bei den schulischen Leistungen besteht. Es gibt allerdings auch andere Gründe, unser Angebot wahrzunehmen. In sehr großen Familien kann es ebenfalls geschehen, dass nicht genügend Zeit vorhanden ist, um sich mit jedem Kind und den Hausaufgaben zu befassen. In der Aufgabenschule herrscht Ruhe zum Arbeiten und man hat Ansprechpartner für Fragen. In solchen Situationen bietet die Aufgabenschule daher einen Rahmen, der über das Vermitteln von Materie hinausgeht. Aufgrund der Tatsache, dass in vielen Gruppen verschiedene Nationalitäten zusammenkommen, bietet die Aufgabenschule auch Raum für den interkulturellen Dialog, und zwar auf gänzlich ungezwungene Art und Weise. Die Betreuer nehmen sich Zeit für die Kinder und es ist uns auch wichtig, dass die Kinder gerne kommen und sich wohl bei uns fühlen. Während der Empfangszeit zwischen 15.30 Uhr und 16 Uhr finden immer kurze Ateliers statt, z. B. Obstsalat zubereiten, Stricken usw. Das bietet den Kindern die Möglichkeit, nach der Schule kurz abzuschalten, bevor sie sich in den kleinen Gruppen an die Aufgaben geben. Des Weiteren findet einmal  im Monat mittwochs eine gesonderte Animation mit kreativem und spielerischem Charakter statt. Dabei kann es sich auch um Ausflüge handeln.

Zusätzlich werden Aktivitäten zu besonderen Anlässen geplant, die die Gemeinschaft stärken, den Kindern und Eltern die ostbelgische Kultur näherbringen und ganz allgemein einen Anschluss an die Gesellschaft bieten. Viele Familien helfen außerdem bei Ateliers, Veranstaltungen usw.

-Dass ein positiver Einfluss vorhanden ist, liegt auf der Hand. Gibt es Möglichkeiten, diese Erfolge zu messen?

Die gibt es. Wir schließen die Vereinbarungen mit den Kindern und Eltern im Normalfall pro Schuljahr ab. Dadurch wissen wir zum Beispiel, dass im Schuljahr 2013-2014 89 % der Kinder bestanden haben. Im Schuljahr 2014-2015 waren es sogar 93 %. Dazu kommt ein qualitatives Feedback von den Schulen und von den Eltern. Wir können natürlich nicht gewährleisten, dass die Kinder bestehen – wir können allerdings versuchen, das vorhandene Potenzial zu entfalten.

-Inwiefern beeinflusst die aktuelle Lage deine Arbeit? Gibt es Handlungsfelder, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen? Welche Maßnahmen werden für die Zukunft in Betracht gezogen?

Von der aktuellen Lage ist die Aufgabenschule bisher nicht betroffen, da den Kinder der Asylzentren in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein zielgruppenspezifischer Unterricht in den Empfangsklassen der Clara-Viebig-Schule Manderfeld, dem Robert-Schuman-Institut und der Städtischen Grundschule Unterstadt geboten wird. Es könnte allerdings Auswirkungen in den nächsten Jahren haben. Die Nachfrage ist bereits groß, wie man an der Warteliste unschwer erkennen kann, und in Zukunft wird sie noch steigen. Sich darauf vorzubereiten ist schwierig, da wir grundsätzlich flexibel bleiben müssen. Sollte der Punkt überschritten werden, an dem wir angemessen auf die Zahl der Anfragen reagieren können, müsste etwas an der Struktur der Betreuung geändert bzw. ein parallel laufendes Auffangsystem angedacht werden. Es ist klar, dass die Qualität darunter nicht leiden darf. In einem solchen Fall müsste möglicherweise auch die Infrastruktur überdacht werden.

-Wenn jemand sich für eure Arbeit interessiert und/oder sich ehrenamtlich betätigen möchte, wo könnte er sich melden und was kann er tun?

Wir freuen uns immer über Interessensbekundungen von Menschen, die sich ehrenamtlich betätigen wollen. Ein elementarer Aspekt ist dabei die Motivation. Interessierte sollten grundsätzlich Freude daran haben, mit Kindern zu arbeiten. Interessierte sollten Deutsch und/oder Französisch fließend sprechen und bereit sein, sich für ein ganzes Schuljahr zu engagieren. Das Mindestalter ist 16 Jahre.

Im Namen des Jugendbüros möchte ich mich recht herzlich bei dir für die Einsicht in die Arbeit der Aufgabenschule und für die klaren Antworten auf unsere Fragen bedanken. Wir wünschen dir bei deiner Aufgabe auch weiterhin viel Erfolg.

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