Interview mit Janina Vomberg, Referentin im Ministerium der DG für Soziales

Janina Vomberg, Referentin im Ministerium der DG für Soziales – Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, Soziale Integration, Aufsicht Dienststelle für Personen mit Behinderung

– Was ist dein Tätigkeitsfeld?
Ich arbeite im Fachbereich Familie und Soziales im Ministerium der DG. Dort bin ich zuständig für den Themenbereich Integration von Personen mit Migrationshintergrund, die in der Deutschsprachigen Gemeinschaft leben.

Janina Vomberg– Welche besonderen Herausforderungen entstehen dabei?
Auch wenn die allgemeine Thematik der Integration von Personen mit Migrationshintergrund nicht neu ist, handelt es sich hier um einen recht neuen und spezifischen Bereich im Ministerium. Meine Stelle ist zu Beginn der Legislaturperiode geschaffen worden. In der DG muss in diesem Bereich nun das Bestehende optimiert oder neue Dinge aufgebaut werden. Hier denke ich beispielsweise an den Integrationsparcours oder das Integrationsdekret, alles Maßnahmen des Regionalen Entwicklungskonzeptes.

Eine besondere Herausforderung sind natürlich Entwicklungen, auf die wir keinen unmittelbaren Einfluss nehmen können, wie die Flüchtlingskrise.

– Welche Erfolge sind für dich besonders wichtig gewesen? Gibt es Aspekte, die dir besonders Freude bereiten?
Mir bereitet vor allem Freude, dass sich so viele Menschen für dieses Thema interessieren und sich für die Integration von Migranten engagieren. Ich finde es übrigens bemerkenswert, dass es so viele Ehrenamtliche in der DG gibt, die sich für Flüchtlinge einsetzen.
Erste Erfolge gab es auch schon. Mehr als 100 Migranten können nun an neuen Intensivsprachkursen teilnehmen. Und auch die Arbeiten der AG Integrationsparcours, die ich mit begleite, schreiten mit großen Schritten voran. Es tut sich also etwas und das bereitet mir große Freude.

– Wie steht es um Integration von Personen mit Migrationshintergrund in der DG?
Die DG ist der einzige Teilstaat Belgiens, in dem es noch keinen gesetzlich festgelegten Integrationsparcours für Migranten gibt. Daran arbeiten wir gerade sehr intensiv.

Hierzu muss die Arbeitsgruppe Integrationsparcours, die ich eben ansprach, bestehend aus Vertretern aller relevanten Kompetenzbereiche der Regierung bis zum Sommer 2016 konkrete Empfehlungen vorlegen, die der Regierung bei der Umsetzung helfen sollen.

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass viele Elemente des Integrationsparcours schon bestehen, wie Sprachkurse oder Angebote zur sozial-beruflichen Eingliederung. Was fehlt, ist ein gesetzlich festgelegter Rahmen einer kohärenten Integrationspolitik. Des Weiteren ist der Integrationsparcours nur ein Teil eines Gesamtkonzeptes. Integration ist viel mehr: lokale Initiativen, Begegnungsfeste, Sensibilisierungsmaßnahmen, Patenschaftsprojekte, Beratungsangebote für Migranten usw.

Diese und ähnliche Angebote gibt es vielerorts in der DG. Die Integration von Personen mit Migrationshintergrund in der DG verläuft, wie ihr also sehen könnt, schon sehr gut.

– Gibt es Handlungsfelder, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen?
Der Integrationsparcours ist ein zentrales Element. Daher wird der Umsetzung dieses Projekts aktuell eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. Mit der Arbeitsgruppe tagen wir seit Mai 2015 einmal monatlich und haben uns auch schon die Eingliederungswege in Flandern und der Wallonie vor Ort angesehen. An ihren Beispielen haben wir uns inspiriert und erarbeiten nun ein Modell, welches auf die Gegebenheiten der DG zugeschnitten sein soll.

– Welche Maßnahmen werden aktuell umgesetzt?
Im Bereich Integration werden zurzeit sehr viele Maßnahmen umgesetzt und gefördert. Sie alle aufzulisten, würde hier wohl den Rahmen sprengen. Einige Beispiele möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten:

1. Aktuell wird eine breit angelegte Sensibilisierungskampagne durchgeführt, die von Info-Integration koordiniert wird und von der Regierung in Auftrag gegeben wurde. Diese findet statt unter dem Titel „Ostbelgien offen für Begegnung“. Hauptziel ist der Abbau von Vorurteilen gegenüber Migranten.
2. Die Beratungsstelle Info-Integration ist übrigens auch eine dieser „Maßnahmen“. Mit der finanziellen Absicherung dieses Dienstes hat die DG eine Beratungsstelle für Migranten und Organisationen, die mit Migranten arbeiten, geschaffen.
3. Die sozialen Treffpunkte, die ebenfalls ein reiches Angebot an Integrationsmaßnahmen haben, unterstützen wir ebenfalls.
4. Außerdem fördern wir Sprachkurse und haben das bereits bestehende Angebot Anfang des Jahres mit einer Reihe von Intensivsprachkursen aufgestockt.
5. Die DG kümmert sich auch um die Beschulung der neuankommenden Schüler.
6. Unter dem Namen „Vielfalt fördern“ ist die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund übrigens auch einer der Schwerpunkte im Jugendstrategieplan.

– Welche Maßnahmen werden für die Zukunft in Betracht gezogen?
In naher Zukunft steht die Ausarbeitung und in einer weiteren Phase dann auch das Erteilen eines Integrationskurses an. Die Regierung hat den Auftrag gerade öffentlich ausgeschrieben. Eine Organisation soll in den kommenden Monaten den Inhalt erarbeiten. In so einem Integrationskurs sollen den Migranten unsere Werte, Rechte und Pflichten vermittelt werden. Damit die Migranten sich integrieren können, ist es wichtig, dass sie verstehen, wie unsere Gesellschaft funktioniert. So können auch Missverständnisse und Spannungen zwischen Zugezogenen und Hiesigen vermieden werden. Gleichzeitig erfahren die Migranten mehr Sicherheit und Selbstständigkeit, wenn sie ihr neues Umfeld besser verstehen.

Ebenfalls möchten wir mit Unterstützung der EU lokale Initiativen unterstützen. Es geht darum, verschiedenen Einrichtungen, die in Form von Projekten die Integration von Migranten auf lokaler Ebene fördern, zu helfen. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Aspekt, da Integration sich in erster Linie auf lokaler Ebene abspielt.

– Inwiefern beeinflusst die aktuelle Lage deine Arbeit?
Die aktuelle Lage beeinflusst meine Arbeit auf jeden Fall. Aufgrund des großen Zustroms von Migranten sind die Forderungen nach einem Integrationsparcours immer lauter geworden. Hier besteht also ein gewisser Druck. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass dies ein großes Projekt ist, für das man Zeit braucht. Voreilige Schlüsse in diesem Bereich wären fatal. Denn mit dem Integrationsparcours stellen wir auch die Weichen für die Integrationspolitik der nächsten Jahre.

Weiterhin ist die Sensibilisierung der Bevölkerung in solchen Zeiten von besonderer Bedeutung. Integration von Personen mit Migrationshintergrund ist nämlich keine Einbahnstraße, sondern kann nur funktionieren, wenn auch die Aufnahmegesellschaft offen für die Zugezogenen ist. In der Gesellschaft ist in gewisser Weise eine Aufklärung nötig, jeder muss sich mit der Heterogenität unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Eine beidseitige kulturelle Öffnung ist erforderlich.

– Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, auf unsere Fragen zu antworten. Vonseiten des Jugendbüros wünschen wir alles Gute für die Zukunft und für die dir bevorstehenden Aufgaben.

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