Strochennest

„Storchennest“ – Robert-Schuman-Institut Eupen

Das Robert-Schuman-Institut ist eine Sekundarschule mit 14 verschiedenen Studienrichtungen im technischen und berufsbildenden Unterricht. Das RSI wurde aufgrund seiner europäischen Ausrichtung nach dem Gründer des Vereinten Europas Robert Schuman benannt.

Ab Februar 2016 wurde der praktische Unterricht für die Schüler des 7. beruflichen Jahres „Betreuer für Kindergemeinschaften“ didaktisch so gestaltet, dass die praktischen Anwendungen unter Beteiligung von Kindern stattfanden. Angeboten wurden eine Kinderbetreuung Mittwochsnachmittags bei gleichzeitiger Sprachförderung für die Eltern und/oder Familienangehörigen, Begleiter der Kinder. Die Schüler wurden dabei von zwei Fachlehrern angeleitet und partiell durch ehrenamtliche Mitarbeiter des Kooperationspartners „Bund der Familien“ unterstützt. Das Angebot richtete sich an Kinder im Alter zwischen 3 und 8 Jahren und ausdrücklich an die Kinder von Zuwanderern. Für die Eltern (in der Regel die Mütter, aber auch Geschwister, Onkel, Tanten, Cousins…) wurden Work-Shops angeboten, z.B. Kochen, Bastelaktivitäten, Singen, Theater…, um den Kontakt zwischen hiesigen Eltern und den zugewanderten Eltern zu fördern und sie an die deutsche Sprache heranzuführen.

Insgesamt nahmen 41 Personen aus 12 verschiedenen Nationen an der Aktion „Storchennest“ teil. Nicht alle Teilnehmer kamen jede Woche. Durchschnittlich 20 Kinder (davon 1 Kind mit Beeinträchtigung – Down Syndrom) und 15 Erwachsene waren pro Nachmittag anwesend.
Die Arbeit mit dem Down-Syndrom- Kind war spannend, da die Schüler die individuelle Förderung des Kindes als Auftrag hatten und trotzdem eine Gleichbehandlung anstrebten. Dieser Spagat ist den Schülern hervorragend gelungen, indem sie Rituale und Regeln für die Förderung des Gemeinschaftssinns eingeführt haben und das soziale Miteinander der Kindergruppe gefördert haben (groß kümmert sich um klein – Junge heute mit Mädchen – jeder arbeitet reihum mit jedem…).
Die Sprache spielte in der Kindergruppe eine untergeordnete Rolle. Selbst Kinder, die zunächst gar kein Deutsch sprachen, konnten sich non-verbal verständigen, zum Ende der Maßnahme sehr vieles verstehen und auch einfache Worte und Sätze bilden.
Die Erwachsenen wurden in verschiedenen Workshops und Aktivitäten an die deutsche Sprache herangeführt und konnten zum Abschluss des Projektes in kleinen Theatersequenzen Alttagszenen in Deutsch vorführen.

Erklärung zur Juryentscheidung:
Die Jury fand, dass es sich um ein originelles, gut durchdachtes und professionell gestaltetes Projekt handelt. Interessant ist die Doppelgleisigkeit: Kinderbetreuung einerseits und Unterricht für die Erwachsenen andererseits. Bei den Schülern des RSI wurde das Gefühl gestärkt, verantwortlich zu sein. Besonders positiv zu sehen ist der kritische Rückblick und der Wille, das Projekt weiterzuführen.