Europäisches Sprachensiegel

2015

Das Europäische Sprachensiegel – verliehen von der Nationalagentur Erasmus+ im Jugendbüro – fördert Initiativen im Bereich des lebenslangen Sprachenlehrens und -lernens mit dem Ziel, erfolgreiche Konzepte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
In der Deutschsprachigen Gemeinschaft wird das Siegel alle 2 Jahre verliehen.
Das Sprachensiegel kann Bildungseinrichtungen (von der Kleinkindbildung über die Schul- und Hochschulbildung bis zur Berufs- und Erwachsenenbildung), lokalen und regionalen Behörden, Arbeitgebern, Vereinigungen und Einzelpersonen, die sich durch Sprachenlehren oder -lernen ausgezeichnet haben, verliehen werden.

Die ausgezeichneten Projekte erhalten

➡ das Zertifikat „Europäisches Sprachensiegel 2017“, unterzeichnet von dem zuständigen EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit sowie vom Minister für Bildung und wissenschaftliche Forschung der DG;

➡ das Recht, das „Europäische Sprachensiegel 2017“ als Logo zu führen;

➡ einen Eintrag in die Sprachensiegel-Datenbank der Europäischen Kommission;

➡ die europaweite Verbreitung des Projekts durch die EU-Kommission und die Nationalagentur im Jugendbüro.

Nutzen Sie den Wettbewerb, um Ihre Initiative als Best Practice Beispiel der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen!

Die Projekte und Initiativen müssen einen Bezug zu mindestens einer der beiden von der Europäischen Kommission definierten Prioritäten für 2016-2017 aufweisen:

1. Mehrsprachige Schulen und Klassen: die Vielfalt in den Schulen nutzen

Mehrsprachige Schulen und Klassen sind sprachlich und kulturell heterogen. Lehrkräfte und Schülerschaft kommen aus unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Umfeldern und haben nicht zwangsläufig eine gemeinsame Kultur oder Sprache; es kann vorkommen, dass einige oder alle Schüler die Unterrichtssprache erst lernen müssen und dazu zusätzliche Unterstützung benötigen. Einige Beispiele dafür sind Schulen, die neu angekommene Flüchtlinge oder Einwanderer aufnehmen, Schulen mit zweisprachigem Bildungsangebot, in denen zwei Unterrichtssprachen verwendet werden, internationale Schulen oder Schulen, die Regional-, Minderheiten- oder indigene Sprachen berücksichtigen.

Mehrsprachige Klassen kommen in den EU-Mitgliedsländern immer häufiger vor: Immer mehr Kinder haben eine andere Muttersprache als die Hauptunterrichtssprache der Schule. Dabei ist die Situation in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union sehr unterschiedlich, und das Fachwissen und die Erfahrungen darin, wie mehrsprachige Klassen und Schulen am besten unterstützt werden, können ebenfalls erheblich variieren. Große Einwanderungsströme sind ein relativ neues Phänomen in vielen Teilen Europas, und der Unterricht muss die verschiedenen Möglichkeiten nutzen, den Fremdsprachenerwerb zu fördern.

Die Vielzahl der Sprachen, die in den Klassen von mehrsprachigen Kindern gesprochenen werden, ist eine Herausforderung für Lehrkräfte und Schulleitungen. Sie ist aber auch eine potenzielle Bereicherung. Lehrkräfte benötigen eine spezielle Ausbildung und zusätzliche Unterstützung, um Schülerinnen zu unterrichten, die die in der Schule gesprochene Sprache als zweite oder zusätzliche Sprache lernen.

Es gibt Beispiele bewährter Verfahren in ganz Europa, und die Verbreitung dieses Wissens könnte der gesamten Lehrerschaft zugutekommen. Wenn mehrsprachige Klassen entsprechend genutzt werden, können sie dazu dienen, das Sprachbewusstsein aller Schüler zu schärfen, den Kindern langfristig beim Erwerb anderer Sprachen helfen und zu einer offenen und neugierigen Einstellung gegenüber kultureller Vielfalt beitragen.

Diese Priorität betrifft hauptsächlich die formale Bildung in den Schulen und umfasst auch die Mehrsprachigkeit und den Fremdsprachenerwerb in Berufsbildungseinrichtungen.
Projekte mit dem Sprachensiegel könnten sich zum Ziel setzen, bewährte Verfahren in mehrsprachigen Schulen/Klassen zu ermitteln, bei denen die Vielfalt, der interkulturelle Dialog und die Förderung der Mehrsprachigkeit im Vordergrund stehen, in denen die sprachliche Vielfalt als Ressource für den Fremdsprachenerwerb genutzt wird oder die einschlägige Weiterbildungsprogramme für Lehrkräfte fördern.
Ein besonderer Schwerpunkt könnte auf Maßnahmen zur Förderung von Kindern gelegt werden, die die Unterrichtssprache nicht beherrschen. Alle Kinder sollten die gleiche Chance erhalten, ihr schulisches Potenzial auszuschöpfen – die Beherrschung der Unterrichtssprache ist dafür eine unabdingbare Voraussetzung.

2. Eine sprachenfreundliche Gesellschaft – informeller Fremdsprachenerwerb

Mit dem Begriff „sprachenfreundliche Gesellschaft“ ist ein soziales Umfeld gemeint, in dem das Lernen von Fremdsprachen und das interkulturelle Verständnis unterstützt werden und in dem Mehrsprachigkeit gefördert wird und positiv besetzt ist. Die Bedürfnisse von Sprechern aller Sprachen werden umfassend berücksichtigt, und die sprachliche Vielfalt wird als Bereicherung für eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung und die wirtschaftliche Entwicklung gesehen. Jede Gemeinschaft in Europa kann sprachenfreundlicher werden, indem sie die Möglichkeiten, andere Sprachen zu hören und zu lesen, besser nutzt, alle in der Gemeinschaft gesprochenen Sprachen achtet und damit zur Verbesserung des Fremdsprachenerwerbs und des interkulturellen Verständnisses beiträgt.
Dies kann auf vielfältige Weise erreicht werden: Nutzung der Kompetenzen mehrsprachiger Bürger, Studentenaustausch usw.; Untertitelung von Filmen und Fernsehsendungen, Nutzung der Medien, um die Menschen in Kontakt mit anderen Sprachen und Kulturen zu bringen, Förderung generationenübergreifender Lernprojekte, Tourismusprojekte, grenzüberschreitende Projekte usw.; Nutzung informellen Lernens, z. B. in der Familie, zwischen den Generationen oder in der Gemeinschaft.

Informelles Lernen spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung einer sprachenfreundlichen Gesellschaft. Informelles Lernen ist die wichtigste Art des Lernens, die wir täglich erfahren. Sprachen lernt man in der Familie, beim Fernsehen oder beim Surfen im Internet, durch den Kontakt mit der Umwelt, beim Lesen von Zeitungen und Büchern, beim Radiohören oder Ansehen von Filmen, durch die Interaktion mit Sprechern anderer Sprachen oder die Verwendung neuer Technologien und Online-Ressourcen.

Projekte mit dem Sprachensiegel könnten Verfahren und Maßnahmen zur Förderung des informellen Erwerbs von Fremdsprachen und einer sprachenfreundlichen Gesellschaft ermitteln und stärken. Die Projekte sollten innovative Arten des informellen Fremdsprachenerwerbs in allen Altersstufen präsentieren. Sie sollten informelle Bedingungen und vorhandene informelle Ressourcen, neue Medien, Online-Ressourcen, Nutzergemeinschaften usw. nutzen und auf das Lernen in Familien, Gemeinschaften oder zwischen den Generationen abzielen. Beiträge können von einer Vielzahl von Akteuren geleistet werden: der Zivilgesellschaft, regionalen und kommunalen Behörden, Gemeinden, Krankenhäusern, Justizvollzugsanstalten, Medien, Gemeinschaftszentren, Museen. Sprachen kann man überall lernen!

Die Bewerbung erfolgt über das unten stehende Formular. Bewerbungsschluss ist der 28. April 2017.

Eine Fachjury wird die Preisträger auswählen. Die Zahl der vergebenen Gütesiegel ist abhängig von der Qualität der eingereichten Bewerbungen und wird von der Jury bestimmt.
Um mit dem Sprachensiegel ausgezeichnet zu werden, sollten die Initiativen:
➡ einen umfassenden Ansatz haben und hinsichtlich der Lehrer, Methoden und Materialien auf die Bedürfnisse der Lernenden eingehen. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen sollten kreativ genutzt werden (z.B. Einsatz von Native Speakern, Sprachenpraxis von Partnerstädten oder -institutionen, Zusammenarbeit mit lokaler Wirtschaft),

➡ einen Mehrwert im regionalen Kontext aufweisen, d.h. das Sprachenlehren und -lernen quantitativ (mehr Sprachen) und/oder qualitativ (bessere Methoden) verbessern,

➡ die Lernenden und Lehrenden motivieren, ihre Sprachkompetenzen zu verbessern,

➡ originell und kreativ sein, indem bislang unbekannte Methoden eingeführt werden,

➡ eine europäische Ausrichtung haben (grenzüberschreitende Kontakte, Sprachenlernen mit Nachbarländern) und durch die Förderung sprachlicher Kompetenzen das Verständnis anderer Kulturen verbessern,

➡ übertragbar sein (auf andere Sprachen oder andere Altersgruppen), sie sollten eine Inspiration für Initiativen in anderen Ländern und Kontexten sein.

Zulässig sind alle Sprachen, die in den EU-Mitgliedstaaten gesprochen werden. Das Projekt sollte mindestens eine der EU-Amtssprachen als Zielsprache in der Sprachvermittlung (auch als Brückensprache) enthalten.
Die Bewerbungsunterlagen sollten auf Deutsch, Französisch oder Englisch gehalten sein.
Ausgezeichnet werden nur solche Projekte/Initiativen, die sich jenseits des Planungsstadiums befinden. In der Bewerbung muss daher klar belegt werden, wie das Projekt umgesetzt wurde bzw. wird.
Ein »Europäisches Sprachensiegel« kann auch an solche Projekte verliehen werden, die im Rahmen eines Bildungsprogramms der Europäischen Union (Lebenslanges Lernen bzw. Erasmus+) eine Förderung erhalten haben bzw. zurzeit erhalten.
Verspätet eingereichte, formlose oder unvollständige Bewerbungen können nicht berücksichtigt werden. Die eingesandten Unterlagen werden nicht an die Bewerber zurückgeschickt und können für Veröffentlichungen der Nationalagentur im Jugendbüro verwendet werden.

 

 

 

Cover Broschüre7 Jahre Europäisches Sprachensiegel – Innovative Projekte im Programm Lebenslanges Lernen

In dieser Broschüre werden die besten Projekte der letzten 7 Jahre vorgestellt. Auf den Seiten 80, 114, 152 und 160 sind auch Projekte aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu finden!

Preisträger 2015: Schulradio an der SGU (Mehr Informationen zum Projekt des Preisträgers gibt es HIER)

 

  • Valérie Toussaint

    Erasmus+ Programmstrategie & Verbreitung und Analyse der Ergebnisse
    Koordinatorin eTwinning & Europäisches Sprachensiegel
    087 / 56 09 79

    valerie.toussaint@jugendbuero.be

Wichtige Dokumente

Sprachensiegel Bewerbungsformular 2017
7 Jahre Europäisches SprachensiegelInnovative Projekte im Programm für lebenslanges Lernen