Europas Zukunft hängt von der Jugend ab: Die neue jugendpolitische Zusammenarbeit der EU
Europas Zukunft hängt von der Jugend ab: Die neue jugendpolitische Zusammenarbeit der EU
“Europas Zukunft hängt von der Jugend ab. Aber die Lebenschancen vieler junger Menschen werden vereitelt, da sie am meisten von der gegenwärtigen ökonomischen Krise betroffen sein werden.“ Mit diesem Zitat aus der Kommissionsmitteilung zu einer „Erneuerten Sozialagenda“ leitet die Kommission ihre aktuelle Mitteilung zum Thema „Eine EU-Jugendstrategie – Investieren und stärken“ ein. Jugend, so heißt es, sei die Priorität der europäischen Sozialvision.
Die Mitteilung will daher nichts weniger als eine "Zukunftsvision" der Jugendpolitik in Europa entwerfen. Auf der Grundlage der Ergebnisse eines umfangreichen Konsultationsprozesses bei den Regierungen der Mitgliedstaaten, bei Jugendlichen, Trägern und Organisationen, schlägt die Kommission einen neuen, stärkeren Rahmen für die jugendpolitische Kooperation in der EU vor, deren Berichtswesen flexibilisiert und vereinfacht werden soll. Eine erneuerte Offene Methode der Koordinierung soll die Ziele besser als bisher integrieren, sie soll auf einem sektorübergreifenden Ansatz beruhen, der kurz- wie langfristige Anstrengungen umfasst.
Zwei Ansätze Grundsätzlich verfolgt die Kommission zwei Ansätze: die Bereitstellung größerer Ressourcen, um Politikbereiche zu entwickeln, die junge Menschen besonders betreffen (Stichwort "In Jugend investieren") und die direkte Förderung junger Menschen (Stichwort "Jugend stärken") als das "Kapital" für eine Erneuerung der Gesellschaft und als Beitrag zur Verwirklichung europäischer Werte und Ziele.
Auf dieser Grundlage wird eine 9-Jahres-Strategie vorgeschlagen, die eng an die Ziele der Sozialagenda angelehnt ist.
- "Mehr Möglichkeiten für Jugendliche in Bildung und Beschäftigung",
- "Verbesserung des Zugangs zu sozialen Dienstleistungen und gesellschaftlicher Partizipation"
- "Festigung jugendlicher Solidarität mit der Gesellschaft und der Welt"
sind hier die drei übergreifenden Ziele. Jeweils drei Aktionsfelder werden jedem Ziel für die ersten drei Jahre, also bis 2012, zugeordnet. Für jedes Aktionsfeld gibt es eine Liste mit Vorschlägen für konkrete Maßnahmen:
3x3 macht 9 Aktionsfelder In der Analyse (überschrieben mit "Die Jugend von heute") führt die Mitteilung neun Aktionsfelder an, in denen dringender Handlungsbedarf identifiziert wird und verbindet jedes Aktionsfeld mit konkreten Vorschlägen.
1. Bildung Ganz oben steht die Anerkennung von in nicht-formalen Kontexten erworbenen Bildungsleistungen und deren Integration in den formalen Bildungsbereich. Unter anderem soll dafür die Kooperation der in der Politik für Bildung und für Jugend zuständigen Akteure angeregt werden sowie partizipative Strukturen im Bildungssystem und die Zusammenarbeit von Schulen, Familien und Kommunen unterstützt werden.
2. Beschäftigung Prioritär zu gestalten ist der Übergang Schule – Beruf und der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit von jungen Menschen, unter anderem durch die Förderung von Jugendarbeit als „Ressource, um die Beschäftigungsfähigkeit Jugendlicher zu fördern“.
3. Kreativität und Unternehmertum Hier sollen Talentförderung, kreative Fertigkeiten und „unternehmerische Denkweisen“ gefördert werden.
4. Gesundheit und Sport Eine der vorgeschlagenen Aktionen betrifft „maßgeschneiderte Informationen zum Thema Gesundheit für junge Leute, vor allem solche mit dem Risiko sozialer Ausgrenzung“, eine andere die Förderung von Trainingsmöglichkeiten zum Thema Gesundheit für Fachkräfte der Jugendarbeit und von Jugendorganisationen.
5. Partizipation "Partizipation lernen" ist eines der in diesem Aktionsfeld genannten Ziele; die Förderung von "e-Demoratie" eine geplante Maßnahme, um vor allem nicht-organisierte Jugendliche zu erreichen.
6. Integration Hier wird vor allem der bereichsübergreifende Ansatz betont, der Akteure auf allen Ebenen im Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung vernetzen will. Außerdem sollen „EU-Förderungen und experimentelle Programme optimiert werden, um die soziale Integration von jungen Menschen zu unterstützen“.
7. Freiwilliges Engagement Neben dem Abbau von Hindernissen für die Freiwilligenarbeit wird vor allem die Anerkennung (beispielsweise durch Europass und Youthpass) ihres Beitrags zum nicht-formalen Lernen gefordert.
8. Jugend und die Welt Hier werden unter anderem Maßnahen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung vorgeschlagen (Konsum und Produktion, Energiesparen, Recycling etc.) sowie die Förderung der Jugendarbeit in anderen Kontinenten.
sowie: Eine neue Rolle für die Jugendarbeit Erfreulich ist die deutliche Forderung nach einer deutlichen Aufwertung der ehren- und hauptamtlichen Jugendarbeit. Ehren- und hauptamtliche Jugendarbeiter tragen zu allen genannten Zielen und Bereichen bei. Sie müsse deshalb gefördert, anerkannt und fortgebildet werden. So solle die Tätigkeit von Fachkräften der Jugendarbeit durch europäische Instrumente wie Europass, EQF oder ECVET bescheinigt werden. Außerdem will die Kommission ihre "Analyse der ökonomischen und sozialen Wirkungen der Jugendarbeit" vorantreiben.
Zu den Umsetzungsinstrumenten Grundlage für die Umsetzung dieses Plans ist nach der Vorstellung der Kommission neben der ressortsübergreifenden Zusammenarbeit der Dialog mit der Jugend. In letzteren sollen auch „neu auftauchende“ Akteure aus der Wirtschaft, Stiftungen oder Jugendmedien eingebogen werden. Für jedes Jahr werden Schwerpunktthemen für den Strukturierten Dialog vorgeschlagen. Für 2010 ist das "Jugend und Beschäftigung", für 2011 "Jugend und die Welt".
Um die Jugendpolitik auf eine empirische Basis zu gründen, werden diverse Forschungsvorhaben angekündigt. Unter anderem wird die Einrichtung einer Arbeitsgruppe vorgeschlagen, die Deskriptoren für die Prioritäten im Bereich Partizipation, Freiwilligenarbeit, Kreativität und Jugend in der Welt sowie für NEETS (Jugendliche, die sich in keiner Bildungsinstitution, in Ausbildung oder Beschäftigung befinden) formulieren soll.
Peer Learning - von Leveln und Clustern Außerdem wird ein umfassender "Peer-Learning-Prozess" der Mitgliedstaaten angeregt. "High-Level-Seminare", Seminare auf höchster Ebene, sollen die politische Kooperation befördern, "Clusters", also Arbeitsgruppen, sollen dem Austausch technischer Expertise dienen. Auch dafür gibt es schon Vorschläge für das weitere Verfahren: 2010 soll es ein "High Level Seminar" zur ressortübergreifenden Zusammenarbeit geben, 2011 ein "Cluster" zur Jugendarbeit und ein Seminar zum freiwilligen Engagement Jugendlicher.
(Quelle: Nationalgentur JUGEND IN AKTION, Deutschland)
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